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Monatliche Predigt

Januar 2015 - Gyoji Ho-on - Buddhismus praktizieren und Segen weitergeben von Rev. Shomyo Aihara

Vor 2.500 Jahren wurde Shakyamuni Buddha in Indien oft von Menschen aufgesucht, die ihre Zweifel, Sorgen und Leiden bereinigen wollten. Buddha beantwortete ihre Fragen stets herzlich und freundlich.
Eines Tages stellte ein Praktizierender dem Buddha eine Frage.
„Manchmal verstehe ich die Dinge sehr gut, die ich in der Vergangenheit gelernt habe, und ich verstehe sogar Dinge, die ich nicht so gut gelernt habe. Es gibt aber auch Zeiten, in denen ich diese Dinge nicht verstehe, egal was ich tue, auch wenn ich darüber sehr gut unterrichtet wurde. Wieso ist das so?"
„Nehmen wir mal an, dass dein Gesicht sich in einem Wasserbehälter spiegelt. Wie gut spiegelt es sich, wenn das Wasser im Behälter getrübt ist?"
„Ich würde es nicht gut sehen können."
„Genau. So ist es auch, wenn unsere Herzen durch Begierde getrübt sind und wir uns nur um uns selbst kümmern; weder wir noch diejenigen um uns herum, noch die Natur werden sich deutlich spiegeln. Was ist, wenn sich dein Gesicht in kochend heißem Wasser spiegelt?"
„Aufgrund der Bläschen würde sich mein Gesicht nicht spiegeln."
„Genau. So ist es auch, wenn unsere Herzen vor Wut kochen; nichts um uns herum würde sich spiegeln. Dasselbe gilt, wenn die Wasseroberfläche mit Gras bedeckt wäre; unsere Gesichter würden sich nicht spiegeln."
Das Antlitz des Praktizierenden strahlte plötzlich. Der Buddha fuhr mit seiner Rede fort.
„Wenn unsere Herzen von Hass und Ärger erfüllt sind oder wir uns nur um uns selbst kümmern, ist es unmöglich, diese Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Umgekehrt, wenn das Wasser unseres Herzens klar ist, werden wir und unsere Umgebung so gespiegelt, wie wir wirklich sind. Unser Herz ist wie das Wasser. Wenn es nicht von Begierde getrübt ist, nicht vor Wut kocht und nicht von Argwohn und Zweifel erfüllt ist, können die Dinge klar und korrekt gesehen und verstanden werden."

Das ist die Botschaft dieser Geschichte: Wenn wir die Selbstbezogenheit und den Egoismus ablegen, klärt sich das getrübte Wasser unserer Herzen. Dann spiegeln sich die Menschen und die Natur so, wie sie tatsächlich sind. Gleichzeitig zeigt die Geschichte uns, wie wir das Leiden und die Traurigkeit anderer erkennen können, die sich in diesem Wasser spiegeln, wie wir uns um sie kümmern und handeln können. Das ist buddhistische Praxis und Übung.
Doch nur einmal diese Übung zu praktizieren reicht nicht aus. Wie Fingernägel und Haare wachsen und immer wieder geschnitten werden müssen, muss auch die Übung kontinuierlich fortgesetzt werden. Wie können wir diese Übung ausführen? Um uns von Selbstbezogenheit und Egoismus zu befreien, müssen wir still sitzen und uns selbst erforschen. Das ist das Leben mit Zazen, das die „Harmonisierung des Körpers", die „Harmonisierung des Atems" und die „Harmonisierung des Geistes" lehrt. Wir können allerdings nicht ständing nur Zazen üben. Doch wie uns die Lehre „Weder nach links noch nach rechts neigen, weder nach vorne noch nach hinten lehnen" zeigt, können wir 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr üben, ohne dabei überheblich oder unterwürfig, schmeichlerisch oder kriecherisch zu werden. Das ist das Leben mit Zazen.
Unser Leben besteht nicht nur aus der Verbindung mit unseren Eltern. Es ist inmitten einer unergründlichen Vielfalt von Beziehungen entstanden. So haben beispielsweise beide Elternteile zwei Eltern, ebenso wie die vorangegangene Generation usw. Wenn wir diesen Gedanken auf fünf Generationen ausweiten, ergeben sich 32 unersetzbare Menschen. Zudem haben die Zeit, in der wir geboren wurden, unsere Erziehung und unsere Umgebung alle dazu beigetragen, dass wir so sind, wie wir sind.
Es ist wichtig, dass wir diese Beziehungen in unserem Leben schätzen.
Da wir mit diesem Leben verbunden sind, ist unsere Existenz unersetzbar. Wenn das zutrifft, dann ist das bewusste Weiterführen des Lebens mit Zazen die richtige Art zu leben, wobei jeder Tag geschätzt wird.
Wenn wir kontinuierlich ein reuevolles Herz und den Seelenfrieden, den das Empfangen der Gebote mit sich bringt, bewahren und uns für andere einsetzen, wird sich all dies zu einer wundervollen Gewohnheit entwickeln. Es sind die Tage, an denen wir das Leben mit Zazen, mit der Harmonisierung des Körpers, des Atems und des Geistes leben, die das Wasser des Herzens ungetrübt bewahren.