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Predigten

Mai - Verehrung der Vorfahren (Senzo Kuyo) von Issho Fujita

In Japan, wird in fast allen Häusern der Buddhist-Altar (butsudan) am festlichsten Ort des Hauses aufgebaut. In den Altar werden Plättchen mit den Namen der Vorfahren gelegt (ihai). Den Vorfahren wird durch mehrere Rituale und Bräuche gedacht und sie werden verehrt. Zum Beispiel durch Räucherwerke und Blumen, das Darlegen von Süßigkeiten und Tee auf dem Altar, Sutra - Rezitationen, sowie jährliche Ahnenzeremonien (higan und bon) sowie Gedenkveranstaltungen.

In letzter Zeit wurde gesagt, dass die Japaner ihr Interesse an der Verehrung der Vorfahrengeister verlieren würden. Doch die Verehrung der Vorfahren bleibt ein wichtiger Baustein des japanischen Buddhismus, welcher uns lehrt, dass die Lebendigen mit den verstorbenen Familienangehörigen geistlich verbunden sind. Durch mehrere Ausdrucksformen der Fürsorge gegenüber den Vorfahren, können die Menschen durch diese eine tiefere Verbindung zu ihren Wurzeln aufbauen. So fühlen sie sich nicht mehr einsam oder befremdet.

In bestimmten Regionen Asiens (China, Korea, Japan und Vietnam), deren Kulturen durch die konfuzianischen Ideale des Respekts gegenüber den Eltern geprägt wurden, ist der Respekt gegenüber den Vorfahren sehr wichtig geworden und sind in den Lehren von Buddha eingebunden. Aber wie ist es in den Regionen außerhalb Asiens, wie Nordamerika und Europa? Ist die Verehrung der Vorfahren für die Völker aus diesen Regionen nur eine „asiatische“ Form des „primitiven“ oder „vormodernen“ religiösen Glaubens? Hat es für die modernen nicht-asiatischen Völker überhaupt eine geistliche Bedeutung? Sollten sie nicht auch ihre Vorfahren verehren oder zumindest die Gründe der Ahnenverehrung verstehen?

Die Verehrung der Vorfahren gehört nicht zum Glauben, sondern zur Praxis - die „Praxis tief in uns selbst zu schauen, um die Anwesenheit unserer Ahnen in uns selbst, in jeder unserer Zellen zu erkennen“ (Thich Nhat Hanh).
Wird diese Perspektive verstanden, dann können wir das Konzept der Ahnenverehrung vertiefen und verbreiten. Dann wird es zur Praxis für unseren Vorfahren UND für uns, denn beide sind in der Gegenwart anwesend, anstatt bloß ein Ritual für die vestorbenen Geister zu sein. Wir sind die Nachfolger unserer Ahnen, und diese leben wortwörtlich in uns. Wenn wir ehrlich den Lehren von Buddha folgen und ein glückliches und bedeutsames Leben mit anderen Menschen führen , dann werden auch die in uns lebenden Ahnen glücklich. Diese Lebensart - Ahnenverehrung im wahrsten Sinne - kann universell als eine buddhistische Praxis empfohlen werden.

Neben unseren Blutvorfahren, haben wir auch geistliche Vorfahren. Wenn wir beginnen Buddha's Weg zu gehen, werden wir in der Welt der Buddhas und Erblehrer (busso) neu geboren. Alle die vor uns diesen Weg gefolgt sind, werden zu unseren geistlichen Vorfahren. In Sotoshu, haben wir die Urlehrer - Rezitationen (sodo fugin) während des Morgendienstes (choka). Nach der Rezitation der Harmonie der Unterschiedlichkeit und der Gleichheit (Sandokai) und/oder Wertvoller Spiegel Samadhi (Hokyo zanmai), rezitiert der Hauptsänger (ino) die folgende eko (Verdiensteinweihung):

Wir bieten demütig um Ihr wahres Mitgefühl und um ihr aufmerksames Bedenken. Durch die Rezitation der Harmonie der Unterschiedlichkeit und der Gleichheit und der Wertvoller Spiegel Samadhi, zeigen wir den gesammelten ausgezeichneten Verdienst der aufeinanderfolgenden Generationen von Buddhas und Ahnen welche die Flamme weitergegeben haben…

(STANDARD KIRCHENFESTEN DER SŌTŌ - SCHULE)

Dann rezitieren alle Anwesenden zusammen die Namen in der Reihenfolge, vom Großen Lehrer Vipashin Budha bis zum Lehrer welcher direkt vor dem Begründer des jeweiligen Klosters steht. Dies ist eine wunderschöne Art, an die anteilnehmenden Segnungen zu erinnern und sie zu ehren.

Wir haben auch tierische, pflanzliche, mineralische und andere Ahnen. Unser Dasein ist nur mit der Unterstützung dieser unendlichen Ahnen möglich; wir leben und existieren zusammen. Dogen Zenji bezeichnet diese Zusammengehörigkeit als „ Buddhas und Vorfahren“ (Busso): „ Durch die ununterbrochene Praxis aller Buddhas und Vorfahren ist eure Praxis aktualisiert und euer großer Weg öffnet sich. Durch eure ununterbrochene Praxis ist die Praxis aller Buddhas aktualisiert und der große Weg aller Buddhas öffnet sich. Eure ununterbrochene Praxis schafft den Kreis des Weges.“ (Shobogenzo Gyoji)

Wir sollten die Fürsorge für unsere Vorfahren erneut im Licht dieses tiefsinnigen Verständnisses betrachten. Dann können wir die Verehrung der Vorfahren in der Zukunft neu schaffen und wiederbeleben.