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Predigten

Oktober - Daruma-Gedenkfeier (Darumaki) von Issho Fujita

In der Tradition des Soto-shu begehen wir die Daruma-Gedenkfeier am 5. Oktober.

Daruma ist ein japanischer Name für den berühmten indischen Mönch Bodhidharma, der während des 5./6. Jahrhunderts AD lebte. Die Erzählungen seines Lebens sind größtenteils legendär (siehe die Comics „Bodhidharma 1-12 auf der internationalen Webseite von Sotozen-net), aber laut Denkoroku (Die Weitergabe des Lichts), verfasst von Keizan Zenji, wurde er als dritter Sohn des Königs von Koshi in Südindien geboren. Er wurde Mönch und praktizierte unter der Führung des Ehrwürdigen Hannyatara (Prajnatara). Er wird als der 28. buddhistische Lehrer in direkter Linie von Gautama Buddha erachtet und in der chinesischen Zen-Tradition als der erste Meister angesehen.

Nach den Anweisungen seines Meisters, das Dharma nach China zu übermitteln, reiste Bodhidharma 526 AD in Richtung Osten nach Südchina. In Shobogenzo Gyoji (Unaufhörliche Übung) Teil Zwei schrieb Dogen Zenji folgendermaßen über seine Reise nach China.

Wie stark der Wind und Schnee während dieser dreijährigen Reise waren! Wie zahllos die Wellen des Ozeans, unter Wolken und Dunst, als er auf ein unbekanntes Land zu segelte! Diese Reise liegt außerhalb der Vorstellungskraft derer, die an Körper und Leben gebunden sind. Diese unaufhörliche Übung beruht auf seiner großartigen mitfühlenden Entschlusskraft, das Dharma zu übermitteln und getäuschte Wesen zu retten.

Ich erinnere mich lebhaft an das, was mir mein Großvater und Meister, der späte Kosho Uchiyama Roshi sagte, als ich ihn kurz vor meiner Abreise in die USA besuchte, wo ich im Pioneer Valley Zendo, einem kleinen Zendo in Massachusetts als ansässiger Lehrer leben würde. Ich fragte ihn nach Ratschlägen und er sagte: „Du schreibst den ganzen Abschnitt über Bodhidharma aus dem Shobogenzo Gyoji ab und rezitierst ihn jeden Tag. Das wird dir helfen, auf dem Weg weiterzugehen. Ich habe allen anderen dasselbe gesagt, die vor dir in die USA gegangen sind. Ich möchte, dass du in den USA wie Bodhidharma wirst“. Er betonte besonders, wie wichtig ein tiefes Verständnis der Sätze in diesem Abschnitt sei, wie zum Beispiel in den folgenden:

Er konnte es tun, weil er das „Dharma-Selbst-der-Übertragung“ war und das ganze Universum für ihn „die Welt der Übertragung von Dharma“ war.
Er tat es, weil er verstand, dass die ganze-Welt-der-zehn-Richtungen nichts als das Selbst ist und dass die ganze-Welt-der-zehn-Richtungen nichts als die ganze-Welt-der-zehn-Richtungen ist.
Wo auch immer du lebst, ist ein Palast und es gibt keinen Palast, der nicht ein geeigneter Ort wäre, den Weg zu praktizieren. Deswegen kam Bodhidharma auf diesem Weg aus dem Westen. Er hatte weder Zweifel noch Furcht, weil er in „der Welt zur Rettung getäuschter Lebewesen“ lebte.

Natürlich konnte ich zu dieser Zeit überhaupt nicht verstehen, was diese Worte bedeuteten. Das einzige, was ich wusste war, dass Bodhidharma, „um das Dharma zu übermitteln und getäuschte Lebewesen zu retten“ einfach beim Zazen schweigend gegenüber der Wand am Shaolin-Tempel saß (Ruhig, schweigend und gelassen saß er am Shaolin: Schweigend brachte er völlig das wahre Gebot auf), anstatt das Dharma übertrieben bekanntzumachen. Uchiyama Roshi empfahl mir, mich wirklich anzustrengen, dem Beispiel von Bodhidharma zu folgen und ermutigte mich, mit dem Gelübde zu leben wie er.

Als ich im Zendo ankam, fand ich in einer Schreibtischschublade ein Manuskript dieses Abschnittes, das vom vorher ansässigen Lehrer handgeschrieben worden war. Ich verwendete es für meine Rezitation. Im Rückblick bin ich sicher, dass Uchiyama Roshis Ratschlag für mich sehr gut funktionierte.

Als Anhänger von Bodhidharmas Tradition versuchen wir, ein von Gelübden wie den Vier Bedeutsamen Gelübden geführtes Leben und nicht ein von eigensüchtigen Begierden wie den Fünf Begierden geführtes Leben zu leben. Die Daruma-Gedenkschrift, die bei der Zeremonie laut von einem Rektor (Ino) vorgelesen wird, wird mit einem Gebet wie unten beschlossen.

Möge das große Gelübde Kraft haben und die Zen-Tradition weit verbreiten. Wir sollen seine gütige Tugend für die unerschöpflichen Zeitalter verehren, die noch kommen werden.
Möge [Bodhidharmas] wahres Mitgefühl ungehindert und der Weg der Vorfahren glänzend sein. Möge es den Glanz unseres Geschlechts für Billionen von Jahren verkünden und verbreiten.

Die Daruma-Gedenkfeier ist eine großartige Gelegenheit, unseren Einsatz zu erneuern, „das Dharma zu übermitteln und getäuschte Lebewesen zu retten“.