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Wohltätige Handlungen - Rigyo 利行 von Rev. Jiso Forzani Teil 1

Die Äußerung „rigyo" ist die typische kanonische Sprache, die von Sotoshu verwendet wird. Sie findet sich in Dogen Zenjis Text  Bodaisatta shishobo 菩提薩埵四摂法, der die achtundzwanzigste Schrift in den sechzig Schriftversionen von Shobogenzo ist.

Studenten, die die Schriften, die Geschichte und in einigen Fällen die Authentizität der Shobogenzo-Schriften untersuchen, sind noch nicht zu einstimmigen Schlüssen gekommen. Studenten betrachten die fünfundsiebzigste Schriftversion mit dem Zusatz der separaten Sammlung von zwölf Schriften als das zuverlässigste Shobogenzo. Der Text, den wir ausgewählt haben, ist nicht Teil dieser Ausgabe. In der Liste der englischen Shobogenzo-Version, die als Teil des Soto-Zen-Textprojekts im Gange ist, das von der Hauptverwaltung von Sotoshu organisiert wird, ist Bodaisatta shishobo temporär unter „andere Schriften" aufgelistet.

Wir können hier nicht die komplexen Studien der Entstehung jedes Shobogenzo-Bandes berücksichtigen, aber es genügt, aufzuzeigen, dass die Einordnung unseres Textes für manche nicht begründet ist. Nichtsdestotrotz bildet ein großer Auszug davon einen wichtigen Teil des vierten Abschnitts des  Shushogi 修証義, eine Folge von Sätzen, die aus Dogen Zenjis Texten ausgezogen und Ende des neunzehnten Jahrhunderts hauptsächlich für den Laiengebrauch als eine Art Übersicht über die Hauptpunkte der Sotoshu-Lehre zusammengestellt wurden.

Um über den Ausdruck rigyo sprechen zu können, der diesmal das Thema ist, sollten wir versuchen, die Bedeutung des Texttitels Bodaisatta shishobo zu verstehen, den ich als „Die vier umfassenden Methoden von Bodisattva" übersetze.

Bodaisatta ist die chinesische Übersetzung des sanskritischen Wortes „bodhisattva", was laut dem Sanskrit-English-Wörterbuch von Monier-Williams wörtlich bedeutet: „einer, dessen Wesen vollkommenes Wissen ist; einer, der auf dem Weg zur Erlangung des vollkommenem Wissen ist."

Die Bedeutungsnuancen von alten Wörtern, die noch in Gebrauch sind, ändern sich mit der Änderung von kulturellen Einflüssen und der allgemeinen Empfindsamkeit: „Bodhisattva" bedeutete damals einfach Maitreya, nämlich der nächste Buddha, die vergangenen Inkarnationen von Shakyamuni auf dem Weg, Buddha zu werden, die, die im nächsten Leben die Buddhaschaft erreichen würden und die, die dem von Buddha aufgezeigten Weg folgen, um ihn in ihren eigenen Leben zu überprüfen.

Wenn ich heute eine künstliche Definition der Bedeutung von „Bodhisattva" geben sollte, würde ich sagen: jeder, der dem von Buddha gegangenen Weg nicht zur persönlichen Verwirklichung, sondern in dem Glauben folgt, dass das von Buddha aufgezeigte Ziel auch das beste für sein/ihr eigenes Leben ist. Ich werde hinterher versuchen, dies besser zu erklären.

Shishobo ist auch die chinesische Übersetzung der ursprünglichen sanskritischen Äußerung catuh-samgraha-vastu. Ich erwähne diese etymologische Referenz hier nur, um aufzuzeigen, dass es ein alter Ausdruck ist, der schon mindestens zehn Jahrhunderte vor Dogen Zenjis Zeit in Gebrauch war (wir finden ihn zum Beispiel im Lotus Sutra). Die Referenz zu den sanskritischen Wörtern ist zwar hilfreich für uns, um einige Nuancen der Bedeutung des Ausdrucks besser zu erfassen, hilft uns aber nicht, zu verstehen, was Dogen Zenji mit der Benutzung dieses Wortes meinte, weil er das ursprüngliche Sanskrit nicht kannte.

Das Wort besteht aus drei chinesischen Schriftzeichen, die jeweils bedeuten: shi 四vier; sho 摂verstehen, erfassen; bo(ho) 法Art, Methode. Genauer: sho lesen wir normalerweise als setsu, ein Zeichen, das die meisten Leser oft sehen, weil es Teil des zusammengesetzten Wortes  sesshin摂心 ist, das in der Zen-Welt normalerweise einen gemeinsamen intensiven Zazen-Rückzug beschreibt. Sesshin bedeutet zum Beispiel „Treffen der Herzen" und noch einfacher „spirituelle Vereinigung". Teilnehmer des Sesshin sind durch den Umstand spirituell vereinigt, dass sie gemeinsam stillsitzen, mit dem einzigen Ziel, gemeinsam stillzusitzen und durch diesen Umstand sowohl eine persönliche als auch eine gemeinsame spirituelle Vereinigung zu verwirklichen. Setsu (in diesem Fall ausnahmsweise sho gelesen) bezeichnet etwas, das vereinigt, versteht, erfasst und auch die Vereinigung selbst, den wahren Umstand des Verständnisses und der Integrierung. Ho, hier aus euphonischen Gründen bo gelesen, ist das chinesische Schriftzeichen für das sanskritische Wort dharma mit all seinen Bedeutungen. Meinem Verständnis nach hat ho in diesem Fall die Bedeutung von Methode, eine Art des Seins als eine Art des Denkens, Sprechens, Benehmens.

Kurz gesagt bezeichnet shishobo die vier umfangreichen Wege des Seins eines Bodhisattvas, weil sie alle existentiellen Einstellungen des Bodhisattvas umfassen, der alle vier versteht und erfasst und weil wir auch einen Bodhisattva an der Tatsache erkennen können, dass er/sie in seinem/ihrem Leben diese vier Arten des Seins versteht und verwirklicht. Sie werden jeweils genannt: fuse 布施, aigo 愛語, rigyo 利行, doji 同事.

Dies ist der Kontext, in dem wir den Ausdruck finden, der Thema dieses Artikels ist: rigyo 利行.

Wir wissen nicht genau, wie Dogen Zenji selbst dieses Wort verwendete und in welchem Sinn er es verwendete. Ich denke, dass es unmöglich ist, Dogen Zenjis Sinn wiederherzustellen, selbst wenn wir seine Worte sehr sorgfältig analysieren. Wir sehen mit unseren eigenen Augen, wir analysieren mit den Instrumenten, die uns vorliegen, wir verstehen mit unserem eigenen Intellekt: Unsere Anstrengungen für Objektivität können nicht von unserem subjektiven Standpunkt getrennt werden. Wir müssen deshalb zugeben, dass unser Verständnis aus zwei Elementen besteht: Erstens Genauigkeit für sorgfältigste Studien und Untersuchungen von Dogen Zenjis möglicher Absicht. Zweitens unsere persönliche Interpretation dieser Äußerung, die sich zwangsläufig von dem unterscheidet, was Dogen Zenji „wirklich" meinte. Deswegen sagt man, dass eine gute Übersetzung ein „treuer Seitensprung" ist.

Wird fortgesetzt.