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Freundliche Rede - Aigo 愛語 von Rev. Daigaku Rummé Teil 2

Abschnitt vier des Shushogi „Das Gelübde ablegen, um den Lebewesen zu nützen" beginnt mit einem Zitat aus dem Kapitel Hotsu Bodaishin („Den Bodhi-Geist bilden") aus dem Shobogenzo.

Den Gedanken der Erleuchtung zu erwecken ist, zu geloben, alle Lebewesen zu retten, bevor wir uns selbst retten. Ob Laie oder Mönch, Deva oder Mensch, leidend oder sich wohlfühlend, wir sollten schnell die Absicht entwickeln, zuerst andere zu erretten, bevor wir uns selbst retten. Trotz ärmlichen Aussehens ist einer, der diese Absicht angenommen hat, bereits der Lehrer aller Lebewesen. Sogar ein siebenjähriges Mädchen ist ein Lehrer für die vierfache Versammlung, ein mitfühlender Vater der Lebewesen.

Diesen Gedanken der Erleuchtung zu erwecken, kann für viele Menschen überwältigend wirken; sogar ein Gelübde abzulegen, um anderen Wesen zu nutzen, kann schwierig erscheinen. Und doch ist es unsere Aufgabe als Buddhisten, genau das zu tun. Wir legen regelmäßig die Bodhisattva-Gelübde ab, in denen wir geloben, alle Wesen zu retten, alle Illusionen abzustreifen, alle Dharma-Lehren zu meistern und den Buddha-Weg zu erreichen. Ein Bodhisattva ist ein Wesen, das gelobt, seinen eigenen Geist zu erwecken und gleichzeitig zum Nutzen aller Wesen zu handeln. Aber wie können wir dies tun? In „Die vier allumfassenden Methoden des Bodhisattvas" verweist uns Dogen Zenji sehr freundlich auf vier Arten von Weisheit, die wir in unserem täglichen Leben als Möglichkeit praktizieren können, unsere Gelübde als Bodhisattvas zu verwirklichen. Diese sind: Großzügigkeit (auch eines der sechs Paramitas), freundliche Rede, nützliche Taten und Zusammenarbeit. Die Durchführung dieser vier Dinge ist für uns wegen unserer Anhaftung an die Idee eines abgetrennten Selbst (Ego) auch nicht unbedingt einfach, und doch zeigen diese vier Methoden den Weg, das Ego aufzugeben.

Das Folgende ist eine ziemlich wörtliche Übersetzung von Dogen Zenjis Kommentaren zu „freundliche Rede" in „Die vier allumfassenden Methoden des Bodhisattvas".

„Freundliche Rede" bedeutet, beim Zusammentreffen mit Lebewesen zuerst Mitgefühl für sie zu empfinden und fürsorgliche und liebevolle Worte zu sprechen. Allgemein heißt das, keine rüden oder bösen Worte zu verwenden. In weltlichen Gesellschaften gibt es höfliche Bräuche, andere zu fragen, ob es ihnen gut geht. Im Buddhismus gibt es die Worte „Pass auf Dich auf!" und den Gruß von Anhängern „Wie geht es Dir?" Mit dem Empfinden von Mitgefühl gegenüber Lebewesen zu sprechen, als ob sie Babys wären, ist freundliche Rede. Wir sollten die Tugendhaften preisen und diejenigen bedauern, die ohne Tugend sind. Durch die Liebe der freundlichen Rede wird die freundliche Rede nach und nach entwickelt. Daher manifestiert sich freundliche Rede vor uns, die normalerweise weder erkannt noch erfahren wird. Während der derzeitige Körper und das derzeitige Leben existieren, sollten wir freundliche Rede verwenden, und wir werden uns während vieler Zeitalter und vieler Leben nicht zurückentwickeln oder abweichen. Ob beim Verteidigen gegen Feinde oder beim Fördern von Harmonie mit uns wohlgesonnenen Völkern, freundliche Rede ist grundlegend. Freundliche Rede zu hören, die direkt zu uns gesprochen wird, zaubert ein Lächeln auf das Gesicht und erfreut den Geist. Freundliche Rede indirekt zu hören prägt sich im Herzen und in der Seele ein. Denken Sie daran, freundliche Rede entspringt einem liebevollen Geist, und die Saat eines liebevollen Geistes ist Mitgefühl. Wir sollten verstehen, dass freundliche Rede die Kraft hat, die Himmel zu drehen; es ist nicht nur Lob für eine Fähigkeit. (Übersetzt von Gudo Nishijima)

Jede Person könnte dies selbst umschreiben, aber eine Art, diese Worte zeitgenössisch auszudrücken, wäre:

Wie würden wir uns selbst als Bodhisattvas sprachlich ausdrücken? Ein Bodhisattva würde freundlich zu allen Wesen sprechen, denen er oder sie begegnet, als ob das Selbst ein Selbst treffen würde, da alle Dinge eigentlich eins sind. Zuerst wären da Empfindungen wahrer Zuneigung ihnen gegenüber und wir würden ihnen Worte sagen, die unsere Freude ausdrücken, sie zu kennen. Um es allgemeiner zu sagen, wir würden uns nicht unwirsch oder rüde äußern. Sogar in weltlichen Gesellschaften gibt es respektvolle Bräuche, andere zu fragen, wie es ihnen geht. Im Buddhismus gibt es den Ausdruck der Lehrer „Pass gut auf Dich auf" und den Gruß der Anhänger „Wie geht es Dir?". Mit einem Empfinden von wahrer Zuneigung gegenüber fühlenden Wesen zu sprechen, als ob sie Babys wären, ist freundliche Rede. Wir sollten die Tugendhaften preisen, und diejenigen bedauern, die ohne Tugend sind. Wenn wir beginnen, freundlich zu anderen zu sprechen, wird uns das zum Fortfahren ermutigen, es mehr und mehr zu tun. Selbst wenn andere unsere Absicht, freundlich zu sein, scheinbar nicht schätzen, wird es unmerklich Ergebnisse zeitigen. Freundliche Rede ist die Grundlage, um wütende und feindselige zu überwältigen und um Harmonie unter anderen zu fördern. Wenn wir freundliche Rede hören, die direkt an uns gerichtet ist, fühlen wir uns glücklich und der Geist ist voller Freude. Wenn wir hören, dass jemand in unserer Abwesenheit etwas Freundliches über uns gesagt hat, beeindruckt das tief unser Herz und unseren Geist. Denken Sie daran, dass freundliche Rede einem liebevollen Herz entspringt und dass die Saat eines liebevollen Herzens Mitgefühl ist. Wir sollten lernen, dass freundliche Rede die unglaubliche Kraft hat, Dinge zu tun, die unmöglich erscheinen und nicht nur dazu da ist, um die Fähigkeiten einer anderen Person zu loben.

Fortsetzung folgt.